LOVE CAN DO IT

8. Enttäuschte Hoffnung (24.4.2020)


Sonntagnachmittag: Zwischen 15 und 18 Uhr

»Worüber sprecht ihr da miteinander?«, wollte Jesus wissen. Die Jünger blieben traurig stehen, und verwundert bemerkte Kleopas, einer von den beiden: »Du bist wohl der Einzige in Jerusalem, der nichts von den Ereignissen der letzten Tage weiß.« »Was meint ihr?«, fragte Jesus. »Das, was mit Jesus aus Nazareth geschehen ist«, antworteten die Jünger. »Er war ein Prophet, den Gott geschickt hatte. Jeder im Volk konnte das an seinen mächtigen Worten und Taten erkennen. Aber unsere obersten Priester und die anderen Mitglieder des Hohen Rates haben ihn an die Römer ausgeliefert. Er wurde zum Tode verurteilt und dann ans Kreuz geschlagen. Dabei hatten wir gehofft, dass er der von Gott versprochene Retter ist, der Israel befreit. Seither sind nun schon drei Tage vergangen.

Lukas 24, 17-21   Hoffnung für alle

 


 

Mein Text handelt von tiefer Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit der Jünger. Aber vor allem auch davon, dass Jesus sich für diese Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit interessiert. Er fragt nach, will ins Gespräch kommen.

Mir ist aufgefallen, dass Jesus den Jüngern und Jüngerinnen immer in Situationen als Auferstandener begegnet ist, wo diese daran waren, sich mit der Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit auseinanderzusetzen und irgendwie einen Umgang damit zu finden: indem sie sich um den Leichnam kümmerten, indem sie sich schützten und gegenseitig trösteten, indem sie versuchten, zum Alltag zurückzukehren.

Mein Fazit: Jesus kommt zu uns, wo wir ringen mit der Hoffnungslosigkeit, Ausweglosigkeit und sucht da den Kontakt zu uns. Er kommt mit der Botschaft, dass Gott das Leben fördern will und fördern wird, dass er sich durchsetzt gegenüber allem Zerstörerischen.

Vor einigen Wochen war ich in Mexiko in einem Projekt, wo ein Freund und sein Team Menschen in den Armenvierteln ermutigen und sie befähigen, ihre oft ausweglose Lage gemeinsam in die Hand zu nehmen und mit konkreten Projekten Veränderungen zu erreichen. Ich war erstaunt über den Mut, Menschen in einer von Korruption und Gewalt geprägten Gesellschaft zu ermutigen, sich zu wehren und sich zu organisieren. «Das könnte ja auch scheitern und die Menschen wären dann noch entmutigter.» fand ich. Die Antwort: „Ja, das ist so, und es gibt ja auch Rückschläge. Aber wir glauben an den Shalom Gottes, an sein Bestreben, Frieden und Gerechtigkeit zu realisieren und daran halten wir fest.“

In meinen schweren Zeiten fand ich es oft eine totale Zumutung, Situationen auszuhalten, und Gottes Zeitplan war viel zu langsam, aber dieses Fragen und Reden von Jesus in meine Situation, das war auch immer da. Immer wieder die Herausforderung: Ich schaffe Leben, und zwar in Fülle – vertraust du mir?

Petrus predigt an Pfingsten: «Gott hat ihn (Jesus) zum Leben erweckt, denn der Tod konnte ihn unmöglich gefangen halten». Petrus sieht die lebensfördernde Kraft Gottes so mächtig, dass Jesus ins Leben geradezu katapultiert wird, der Tod kann ihn gar nicht halten. Mit diesem Gegenbild zu unserer Hoffnungslosigkeit will ich mich aufmachen, die Welt nach Gottes Herzen zu verwandeln.

 


Michèle Fark (54)
Ehefrau, Mutter, Tochter, Schwester, Freundin, Psychotherapeutin, Joggerin, Balkongärtnerin, …

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