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20. Zweifel (8.5.2020


Sonntagabend: Evtl. 23 Uhr

Thomas, einer der zwölf Jünger, der auch Zwilling genannt wurde, war nicht dabei. Deshalb erzählten die Jünger ihm später: «Wir haben den Herrn gesehen!» Doch Thomas zweifelte: «Das glaube ich nicht! Ich glaube es erst, wenn ich seine durchbohrten Hände gesehen habe. Mit meinen Fingern will ich sie fühlen, und meine Hand will ich in die Wunde an seiner Seite legen.»

Johannes 20, 24f  Hoffnung für alle

 


 

Thomas hat es verpasst. Jesus begegnet den Jüngern und er ist nicht da. Warum bleibt unklar und Thomas geht als Zweifler und Ungläubiger in die Geschichtsbücher ein. Doch ganz so einfach ist es nicht.
Früher, als Jesus zurück nach Judäa wollte, um Lazarus von den Toten aufzuerwecken, da waren es die anderen Jünger, die zweifelten. Sie glaubten nicht, dass es eine gute Idee ist, an den Ort zurückzukehren, wo die Menschen erst vor kurzem Jesus steinigen wollten. Es ist Thomas, der sich mit einer mutigen und klaren Ansage hervortut und die anderen mitreisst: «Ja, lasst uns mit Jesus nach Judäa gehen und dort mit ihm sterben» (Joh 11,16). Beim letzten Abendmahl erklärt Jesus dann seinen Jüngern, dass er zu seinem Vater geht und sie den Weg dorthin ja kennen würden. Da widerspricht Thomas deutlich: «Nein, Herr, wir wissen nicht einmal, wohin du gehst! Wie sollen wir dann den Weg dorthin finden?» (Joh 14,5).
Ich finde: So spricht kein Zweifler und so spricht kein Ungläubiger. Thomas will den Weg mit Jesus gehen und er will der Sache auf den Grund gehen. Er ist hartnäckig und entschlossen. In beiden Geschichten führt das dazu, dass Jesus sein Wesen und sein Wirken deutlich zu erkennen gibt: «Ich bin die Auferstehung und ich bin das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, selbst wenn er stirbt» (Joh 11,25). «Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben! Ohne mich kann niemand zum Vater kommen» (Joh 14,6).
Das sind starke Zusagen, die ich auch für mein Leben und Sterben in Anspruch nehmen will. Doch sie verblassen schnell, wenn Jesus nicht tatsächlich auferstanden ist und den Tod besiegt hat. Ich kann deshalb gut nachvollziehen, dass Thomas auch in Bezug auf die Auferstehung von Jesus keine halbe Sache machen will. Doch obwohl er am Erzählen seiner Freunde zweifelt, bleibt er auch hier hartnäckig und entschlossen. Er will Jesus sehen und spüren. Er verliert den Blick auf Jesus nicht.
So werden mir Thomas und seine Geschichte zum Vorbild. Ich will mich für mein eigenes Zweifeln im Glauben nicht schämen, so lange ich hartnäckig und entschlossen auf diesen Jesus ausgerichtet bleibe. Echte und authentische Gemeinschaft mit anderen Christen, wo ich meine Fragen einbringen und meine Unsicherheiten formulieren kann, das hilft mir dabei sehr. Immer wieder erlebe ich, wie sich mir Jesus darin unverhofft zu erkennen gibt. Dann finde ich wieder festen Grund und kann wie Thomas voller Glauben und Vertrauen neu bekennen: «Mein Herr und mein Gott!» (Joh 20,28).

 


Philipp Nussbaumer (35)
Co-Leiter der Streetchurch. Mit Barbara und den drei Kids wohne ich in Zürich. Ich gelte mitunter als hartnäckiger und entschlossener Gesprächspartner, weil ich überzeugt bin, dass heute noch nicht aller Tage Abend ist.

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