LOVE CAN DO IT

14. Jesus zeigt seine Wunden: ist das nötig? (1.5.2020)


Sonntagabend: Nach 20.30 Uhr

Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

Johannes 20,20  Hoffnung für alle

 


 

Wir belächeln das abergläubische Mittelalter und wundern uns über die Unwissenheit der antiken Menschen. Auch wenn unser heutiges Wissen viel grösser sein mag als vor zweitausend Jahren, in einem waren die Jünger mit uns heutigen Menschen einig: Tote sind tot. Selbst sie, die miterleben durften, wie Jesus den verstorbenen Lazarus aus dem Tod ins Leben zurückgeholt hat, taten den Bericht der Frauen, die vom leeren Grab erzählten, als «leeres Geschwätz» ab. (Lukas 24,11). Nein, die Jünger waren keine leichtgläubigen Trottel; ihr Meister war tot, ihre Hoffnung zerschlagen und sie waren realistisch genug, sich vor einer drohenden Verfolgung hinter verschlossenen Türen zu verstecken. Und in dieser geradezu verzweifelten Situation erscheint ihnen Jesus; steht einfach vor ihnen, spricht sie an und zeigt ihnen die Wunden in den Händen und an der Seite. (Wir erinnern uns: zur Sicherstellung des Todes, stiess ein römischer Soldat eine Lanze in den Oberkörper von Jesus). Warum aber «demonstriert» Jesus seine Wunden? Offensichtlich ist es eine Reaktion auf das Entsetzen, das die Jünger in diesem Moment erfasst haben musste: «Das kann nicht sein! Spielen ihre Sinne einen Streich mit ihnen? Ist diese Erscheinung nur Einbildung? Hand aufs Herz: Hätten wir uns nicht genau diese Fragen gestellt, wären wir bei dieser Begegnung, die ohne jeden Referenzpunkt in der Geschichte der Menschheit ist, dabei gewesen? Und heute? Nagen nicht genau diese zweifelnden Fragen an uns, wenn wir von dieser Erscheinung lesen?  Ich erinnere mich an einen Psychologen, der die Erscheinungen des vermeintlich auferstandenen Jesus als Resultat einer posttraumatischen Belastungsstörung deutet. Die Wunden Jesu halten dem entgegen: Was die Jünger damals sahen – und was wir heute lesen – ist real. Auch wenn wir die strahlende Erscheinung eines erst gerade gefolterten und getöteten Menschen mit nichts aus unserem Erfahrungsrepertoire vergleichen und es weder wissenschaftlich erklären noch einordnen können: die Erscheinung des auferstandenen Jesus ist keine kollektive Halluzination (auch dies ein moderner Erklärungsversuch) entstanden aus einem verzweifelten Wunschdenken der Jünger. Jesus wollte mit dem Zeigen der Wunden, dass die Jünger begreifen lernten: So real die fürchterliche Tötung Jesu war, so real ist seine Auferstehung. Die Wunden sind die Verbindung zwischen dem Menschen Jesus und dem auferstandenen Christus. Und für uns ist dieses Detail in dieser Erzählung ein Hinweis, dass Jesus selbst seinen Jüngern helfen wollte – und uns heute helfen will – seine Auferstehung als reales und daher historisches Ereignis fassen und glauben zu können.

 


Markus Giger (52)
Ich bin stolzer Vater von zwei erwachsenen Kindern, tendenziell visionär überhitzend; daher umso glücklicher über Sibylle, die mich immer wieder verständnisvoll begleitet hinterfragt. Gemeinsam entdecken wir Europa, wo sich Kultur, Kulinarik und Natur begegnen. Seit den Anfängen baue ich leidenschaftlich an der Streetchurch mit.

X