LOVE CAN DO IT

11. Sehen und erkennen: Jesus ohne Brillen begegnen (28.4.2020)


Sonntagabend: Nach 18 Uhr

Als Jesus sich mit ihnen zum Essen niedergelassen hatte, nahm er das Brot, dankte Gott dafür, brach es in Stücke und gab es ihnen. Da wurden ihnen die Augen geöffnet: Es war Jesus. Doch im selben Moment verschwand er, und sie konnten ihn nicht mehr sehen. Sie sagten zueinander: »Hat es uns nicht tief berührt, als er unterwegs mit uns sprach und uns die Heilige Schrift erklärte?«

Lukas 24: 30-32  Hoffnung für alle

 


 

Die beiden Jünger sind den ganzen Weg mit Jesus unterwegs und erkennen ihn bis zum gemeinsamen Essen nicht. Ich habe mich gefragt: Was für Brillen trugen die Jünger? Sah Jesus anders aus bevor er gestorben, begraben und auferstanden ist? Doch es bleibt nicht dabei, dass Jesus für sie nicht erkennbar war: Beim gemeinsamen Nachtessen gehen ihnen die Augen auf. Ihre Brillen werden abgenommen durch das Brotbrechen. Jetzt realisieren sie: Es ist Jesus! Die Erkenntnis erfüllte die Herzen der Jünger. Doch was hat dieser Teil der Story mit mir zu tun?

Ich ertappe mich dabei, dass ich Jesus oftmals nicht wirklich erkenne. Wie diese Jünger nicht merken, dass er mit ihnen unterwegs nach Emmaus war, so verstehe ich oftmals nicht, wie nahe Jesus mit mir mitgeht. Ich erkenne den Wert des gekreuzigten Gottessohnes für mein Leben nicht. Meine „Jesus-nicht-erkenn-Brille“ hat oftmals die Gewohnheitsgläser montiert: Seit 21 Jahren feiere ich Ostern und Weihnachten, weil ich im christlichen Umfeld grossgeworden bin. Die Story von Jesus ist mir bekannter als jede andere Geschichte. Das Jesus am Kreuz hing, auferstanden und dann seinen Jüngern erschienen ist; das sehe ich manchmal als so selbstverständlich an. Ich lese die Evangelien gelangweilt und denke mir dabei, dass ich das bereits 200 Mal gehört habe. Ich sehe das Ganze oftmals durch die verzerrte Brille der Gewohnheit und Selbstverständlichkeit. Ich bin abgestumpft, beinahe dagegen geimpft, dass ich im Kopf verstehen und im Herz erkennen kann, wer Jesus ist und was er mir bedeutet. Und so muss ich mich selber wachrütteln: Jesus ist für mich gestorben! Gott offenbart seine unvorstellbare Gnade. Es ändert alles für mich: Ich bin befreit zum Leben. Ich bin geliebt und angenommen. Ich darf hoffen, dass es etwas Grossartiges gibt, das bereits in diesem Leben erfahrbar ist und sogar darüber hinausgeht.

Um das zu Erkennen brauche ich Augenblicke, in denen Jesus mir meine Brille wegnimmt.

Wie sich Jesus beim Brotbrechen seinen Jüngern gezeigt hat und ihnen die Brillen abgezogen hat, so lass uns heute dafür beten, dass er unsere Brillen (was auch immer deine ist) wegnimmt und wir Jesus neu, echt und unverzerrt begegnen dürfen. Schaffen wir Raum dafür, wo wir seinem verschwenderisch liebenden Wesen begegnen und sagen: «Mein Herz brennt für dich. Lass mich dich erkennen.»

 


Dominik Minder (21)
Ich bin durch den Zivildienst zur Streetchurch gestossen und werde im Sommer meine Ausbildung zum Sozialdiakon beginnen. In meiner Freizeit spiele ich Unihockey, interessiere mich für verschiedene Sportarten und bin (normalerweise, wenn nicht Corona) viel mit dem Zug in der Schweiz unterwegs.

X