Gesichter und Geschichten
Menschen in der Streetchurch. Khamas, Sabrina, Marko, Dina, Saymon und Dorentin erzählen von ihren Erlebnissen und ihrer Geschichte.



LOVE CAN DO IT

Gesichter und Geschichten

«Selbst die Telefongespräche und Verwarnungsschreiben, die ich zu Beginn meiner Streetchurch-Zeit jeweils erhalten habe wenn ich nicht beim Top4Job-Programm erschienen bin, waren freundlich. Und als ich dann am Morgen endlich wieder auftauchte, waren die Leute nett zu mir – wie Freunde oder Familienangehörige. Statt mir den üblichen Der-hats-wieder-nicht-geschafft-Blick zuzuwerfen, gab man mir zu verstehen: «Yes, du bist hier!». Wo gibt’s das sonst?
Ich war es damals nicht gewohnt, am Morgen beizeiten aufzustehen. Ich wohnte in einer furchtbaren Unterkunft, pflegte schlechten Umgang, trank, kiffte und hatte mit allen Stress: mit meiner Familie, mit der Polizei, eben mit allen. Und wenn ich einmal zu Geld gekommen bin, habe ich damit bestimmt nichts Gescheites angestellt.
In der Sozialberatung wurde mir erklärt, dass man mir nur helfen könne, wenn ich verraten würde, was mit mir los sei. Ich schämte mich für den Berg von Unterlagen, den ich mitgebracht hatte: Mahnungen, Schulden, Betreibungen. Gemeinsam gingen wir die Sachen durch und meine Sozialberaterin erklärte mir, wie ich die Unterlagen in Zukunft sortieren kann. Vorher sah das aus wie Konfetti bei mir. Mit ein paar Telefonaten sorgte sie dafür, dass plötzlich keine neuen Mahnungen mehr reingeflattert kamen. Es war, als ob jemand Pause gedrückt hätte.
Ich begann, mich langsam zu verändern. Das lag sicher auch an den vielen guten Gesprächen, die mich manchmal zum Weinen, aber oft auch zum Lachen gebracht haben, was mir sehr gut tat. Irgendwann hat es dann klick gemacht und ich sah für mich wieder eine Zukunft. Ich begann, meine Schulden abzubezahlen, arbeitete motiviert und fand eine Lehrstelle als Schreinerpraktiker. Auch mit meiner Familie habe ich mich versöhnt.
Heute ertappe ich mich sogar dabei, dass ich in meiner Freizeit den Schulordner hervornehme und zu lernen beginne.»

Felipe

«Heute ertappe ich mich sogar dabei, dass ich in meiner Freizeit zu lernen beginne.»

«Ich bin dankbar.»

«Ich war arbeits- und obdachlos und schlief in einer Notschlafstelle für Jugendliche. Bei der Streetchurch habe ich mich sofort willkommen geheissen und wohl gefühlt. Ich konnte im Top4Job-Programm Arbeitserfahrungen sammeln und man hat mir geholfen einen Ort zum Wohnen zu finden und Bewerbungen sowie schlussendlich auch Anträge zu schreiben. Seit einem Jahr wohne ich nun in einer kleinen Wohnung. Obwohl ich wieder vieles lernen musste, wie zum Beispiel selbständig am Morgen aufzustehen, tut mir die neue Wohnsituation gut. Sie hat mich wieder ausgeglichener gemacht. Ab und zu helfe ich bei der Streetchurch an der Kaffeebar mit. Parallel dazu bemühe ich mich um eine IV-gestützte Lehre.
Da ich selbst gläubig bin, gefällt mir, dass der Glaube die Basis der Arbeit hier ist. Manchmal finde ich, dass die Streetchurch noch strenger zu den Jugendlichen sein sollte. Vor allem dann, wenn sie unmotiviert arbeiten oder wenn sie sogar bekifft im Programm erscheinen. Das bringt nichts. Wenn du immer Scheisse machst, kann nichts Gutes dabei herauskommen. Wenn man Hilfe will, muss man zuerst danach fragen, ehrlich sein und die Hilfe dann auch annehmen.
Etwas ist mir sehr wichtig zu sagen: Ich bin dankbar. Ich bin dankbar, dass ich Hilfe bekommen habe, dass man mich begleitet hat und dass ich auch jetzt noch mit meinen Anliegen zur Streetchurch kommen kann. Danke!»

Luna

«A: Ehrlich gesagt kam ich wegen Selina in die Grow Sessions der Streetchurch. Wir waren damals noch nicht in einer Beziehung. Sie hat mir schon von Anfang an von Gott erzählt. Ich war damals gar nicht gläubig, hatte schlechte Erfahrung mit dem Thema Religion gemacht und war dementsprechend auf Abwehr. Ich hatte erlebt, dass Kirchen zu fest eine Sache des Verwaltens und nicht des Herzens sein können. Neinneinnein, mit Religion wollte ich eigentlich nichts zu tun haben.
S: Ich kannte die Streetchurch schon länger. Durch einen Flyer wurde ich auf die Grow Sessions aufmerksam, die ich dann ein paar Mal besuchte. Zu der Zeit, als ich Angel kennengelernt hatte, wollte ich sowieso wieder einmal vorbeigehen und ich fragte ihn, ober er mitkommt.
A: So kam ich wegen Selina das erste Mal in die Streetchurch. Und obwohl sie mich dann eine Weile nicht mehr in die Grow Sessions begleitete und zunächst auch keine Beziehung mit mir anfangen wollte, bin ich weiter jeden Mittwoch in die Streetchurch gekommen. Mit oder ohne sie – es hat mir einfach gefallen und mich im Glauben weitergebracht.
S: Angel ist voll auf den Geschmack gekommen. Nun kommen wir meistens zusammen – und seit ein paar Monaten sogar als Familie. Mir gefällt der offene, lockere Umgang hier. Man kann auch mal nur zum Essen kommen oder erst auf den Worship- und Input-Teil. Die Predigten und Sessions sind sehr inspirierend und bringen einen auch auf neue Ideen.
A: Mir gefällt, dass die Predigten so lebensnah sind. Bibelgeschichten werden in Beziehung gebracht mit dem, was heute passiert. Oder man erfährt auch etwas über Geschichte. Zum Beispiel durfte ich viel über die Reformation lernen. Das war für mich sehr bereichernd, da ich so noch mehr über die Geschichte des Landes erfahren durfte, in dem ich lebe.
Streetchurch bedeutet für mich, frei und mit dem Herzen zu glauben. Und die Streetchurch ist für mich authentisch – besonders aufgrund der Art und Weise, wie sie den jungen Menschen hilft.
S: Eine Weile habe ich auch an der Kaffeebar mitgearbeitet. Ich finde es schön, mich für diese Arbeit zu engagieren.»

Selina und Angel

«Mir gefällt, dass die Predigten so lebensnah sind.»

«Ich merkte, dass ich den Leuten hier nicht egal bin.»

«Ich war gerade frisch auf der Strasse gelandet und meine Lebenssituation war wirklich schlecht. Ich hatte keine Wohnung, keinen Job und, wenn ich ehrlich bin, auch keine Lebensziele mehr.
Durch ein Inserat bin ich aufs Programm Top4Job aufmerksam geworden. Als ich das erste Mal in die Streetchurch kam, dachte ich mir: «Wow, so viele junge Menschen! Und das, obwohl keine Party stattfindet und kein Alkohol ausgeschenkt wird.» Ich wurde herzlich empfangen – als ob ich erwartet worden wäre. Hier hatte ich endlich wieder das Gefühl, nicht im Stich gelassen zu werden. Ich merkte, dass ich den Leuten hier nicht egal bin. Das ist schön, sehr schön sogar. Vorher kannte ich Kirche nur als Vorschriften. Durch die Art wie hier Nächstenliebe gelebt wird, habe ich wieder gefallen am Glauben gefunden.
Nach einer gewissen Zeit habe ich dann zur Sozialfirma gewechselt, um über die Gebäudeunterhalts-Mandate näher am ersten Arbeitsmarkt zu sein. Im Social Coworking arbeite ich an meinem Papierkram und schreibe Bewerbungen. Seit ein paar Monaten wohne ich im Begleiteten Wohnen der Streetchurch. Dort gefällt es mir sehr. Ich fühle mich endlich wieder einmal zu Hause.
In der Streetchurch ist etwas Göttliches spürbar. Wie eine weit geöffnete Doppelflügeltüre, heisst sie jeden willkommen: Egal, was du vorher gemacht hast oder woher du kommst – du bist willkommen.»

Sebastiano

«Nach der obligatorischen Schulzeit machte ich zwei Praktika und war dann ein halbes Jahr lang arbeitslos. Daher war ich froh, ins Programm Top4Job einsteigen zu können. Ich gab Gas, erreichte bereits nach drei Monaten die Stufe 3 und fand bald darauf eine Lehrstelle. Diese verlor ich leider wieder wegen eines Missverständnisses. Für mich war klar, dass ich – falls sich eine Möglichkeit bieten sollte – wieder bei der Streetchurch einsteigen würde.
Mir gefällt das Gemeinschaftsgefühl hier… und ich werde als Individuum angeschaut. Wenn ich beispielsweise Hilfe bei meinen Finanzen brauche, schaut man sich diese mit mir an. Bei der Sozialfirma habe ich – von Umzugsdienst und Gartenarbeit einmal abgesehen – vom Schaufensterputzen bis zur Wohnungsendreinigung schon fast alles gemacht. In der Schule arbeite ich an der Verbesserung meiner Bewerbungsschreiben und Deutschkenntnisse. Mathematik darf ich aufgrund meiner bereits guten Kenntnisse leider nicht üben. Daneben gehe ich ab und zu auch in die Grow Sessions und zum Sport. All das gibt mir Sicherheit und Selbstvertrauen. Sollte ich im Sommer eine Lehrstelle antreten dürfen, wäre ich bestimmt gut vorbereitet.»

Macieli

«Ich werde als Individuum angeschaut.»

«Ich wurde mit offenen Armen empfangen.»

«Vor etwa sechs Jahren kam ich zur Streetchurch. Ich durchlebte gerade eine schwierige Phase in meinem Leben. Keine Arbeit, keine Wohnung, aber auch seelische und psychische Nöte.
Ich wurde mit offenen Armen empfangen. Man half mir, Schritt für Schritt meinen Weg zu finden und zeigte mir, durch welche Türen ich gehen musste. Ich fand einen Job und begann eine Weiterbildung. Nun führte mich ein anderer Grund wieder in die Streetchurch: Ich brauche Gemeinschaft im Glauben. In den Grow Sessions wird für mich ein einfacher, aber richtiger Glauben gelebt.
Wenn ich mit etwas nicht klarkomme, dann ist die Streetchurch für mich immer noch die erste Anlaufstelle. Für mich, und ich denke auch für viele andere, sind die Leute im Team wie Ersatz-
eltern oder grosse Geschwister, zu denen man gehen kann und die sich um einen kümmern.»

Khamas

«Ich hatte immer wieder von dieser Streetchurch gehört. Nun war ich auf der Suche nach einem Ort, wo ich mich investieren konnte. Als ich dann das erste Mal in einer Grow Session war, staunte ich nicht schlecht: die Vielfalt an Menschen, die Offenheit und Wertschätzung füreinander und die stylisch schön eingerichteten Räume. Dies alles berührte mich sehr und ich fühlte mich sofort wohl. Mir war schnell klar, dass ich gerne
ein Teil der Streetchurch sein möchte.
An den Grow-Session-Abenden teilt man Leben mit Menschen und Gott. Ein leckeres Nachtessen, die Gespräche, sehr bewegende Lobpreiszeiten und Inputs – da kann ich auftanken und gleichzeitig auch etwas weitergeben.
Die Begegnungen mit Menschen mit den unterschiedlichsten Biografien sind sehr bereichernd und herausfordernd zugleich. Es ist eindrücklich zu sehen, wie Versöhnung gelebt wird und Menschenleben dank der Streetchurch positiv verändert werden. Seit einem halben Jahr helfe ich regelmässig an der Kaffeebar. Es ehrt mich, ein Teil der Streetchurch zu sein und macht mir Freude, einen Beitrag zum Gelingen dieser Abende zu leisten.»

Sabrina

«Es ist eindrücklich zu sehen, wie Versöhnung gelebt wird und Menschenleben dank der Streetchurch positiv verändert werden.»

«Jeder Tag ist eine Chance um etwas zu erreichen.»

«Nach meinem Lehrabbruch war ich ein fauler Sack. Ich hatte keine Tagesstruktur mehr, wusste nicht mehr wie weiter und wohin. Ich bekam nur noch Absagen. Meine Schwester hat mich dann auf das Top4Job-Inserat hingewiesen. Eigentlich erwartete ich einen normalen Arbeitsplatz – ich hatte keinen Plan, was ein Arbeitsintegrationsprogramm ist. Aber ich fand schnell Gefallen daran. Ich kann schulisch vieles wiederholen und aufarbeiten. Die Hilfe beim Bewerbungenschreiben hilft mir sehr. Es tut mir auch gut, unter Leuten zu sein. Auch die Arbeit gefällt mir… naja bis auf Küchenreinigungen.
Mir gefällt die Offenheit und wie ich unterstützt werde in der Streetchurch. Auch nach einem erneuten Jobverlust kehrte ich wieder zur Streetchurch zurück, um sofort wieder dran zu bleiben. Jeder Tag ist eine Chance, um etwas zu erreichen, egal was am Vortag passiert ist. Immer vorwärts schauen!»

Marko

«Es hat mir einfach den Ärmel reingezogen, als ich das erste Mal an eine Grow Session kam! «Schön, bisch du da.» Man begrüsste mich freundlich, war interessiert an mir. Da habe ich auch schon anderes erlebt. Ich habe mich auf Anhieb sehr wohl gefühlt… und schon bald habe ich mich hier zu Hause gefühlt, wie wenn ich schon seit Jahren dabei wäre – das habe ich so noch nie erlebt. Es ist einfach eine positive und liebevolle Atmosphäre. Ich kann auch meinen Sohn mitnehmen. An vielen Orten – gerade am Abend – stören die Kinder. Statt zum Schweigen gebracht wurden die Kinder gleich noch in den Input eingebunden – so unkompliziert. Ich lade auch gerne Leute ein mitzukommen. Die zentrale Lage macht das auch nochmals einfacher.
Der Input ist für mich sehr wichtig. Ich bin schon oft kaputt hier reinspaziert und kam mit neuer Energie wieder raus. Es ist für mich nicht anstrengend, hier zu sein – ich darf empfangen, meine Seele baumeln lassen, kann aber auch für andere da sein, wenn jemand ein Ohr, ein paar gute Worte oder eine Umarmung braucht. Das gehört einfach zur Gemeinschaft.»

Dina

«Es ist einfach eine positive und liebevolle Atmosphäre.»

«Ich durfte erleben, dass, egal wie tief jemand fällt, Gott Hoffnung in ihn setzt.»

«2008 trat ich mit ein paar Freunden auf einer Bühne für Nachwuchstalente auf. Nach unserem Auftritt kam ein aufgedrehter Typ auf mich zu und fragte mich, ob ich mal Lust hätte mit ihm in der Streetchurch aufzutreten.
Ich war damals auf der Suche. Ich kannte Gott, fühlte mich zur Musik berufen, aber hatte keine persönliche Beziehung zu Gott. Am Ende meines ersten Auftritts in der Streetchurch passierte es. Ich spürte plötzlich die starke Präsenz Gottes. Es war dieser «One Touch», auf den ich gewartet hatte. Das veränderte viel in meinem Leben.
In der Streetchurch erlebe ich Gemeinschaft und kann mein gottgegebenes Talent weitergeben. Ich kann einfach ausleben, was ich gerne mache – Musik, die aus dem Herzen kommt. Ich finde es schön, dass Leute meine Musik hören, aber ein Star möchte ich trotzdem nicht sein. Durch meine Musik soll Gott zelebriert werden und nicht ich.
Ich werde auch gefordert und gefördert. So wurde ich durch mein Engagement im Songschreiben gepusht und die Zeit als ich mit Markus Gefängnisbesuche gemacht habe, hat mich viel über den Umgang mit Menschen gelehrt. Ich durfte erleben, dass, egal wie tief jemand fällt, Gott Hoffnung in ihn setzt.»

Saymon

«Nach dem Abschluss der Sek konnte ich keine Lehre beginnen. Eine Freundin hat mir dann empfohlen, mich hier anzumelden. Ich kam ans Vorstellungsgespräch und durfte im Programm starten. Der Start bei Top4Job war für mich wie eine kleine Lehre beginnen zu können. Es motiviert mich und gibt mir Sinn, hier mit anderen zusammen zu arbeiten, anstatt nur vor dem Fernseher zu chillen. Neben der Arbeit lerne ich zum Beispiel, wie man eine gute Bewerbung schreiben kann. Durch diese Erfahrungen, die ich hier machen kann, hoffe ich nun, eine Lehrstelle zu finden.»

Dorentin

«Der Start bei Top4Job war für mich wie eine kleine Lehre beginnen zu können.»

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